Coaching von Führungskräften im Unternehmenskontext

von Urs Mantel

Das verstehe ich unter Coaching

Coaching hat zur Aufgabe, einen Coachee (den/die zu Coachende) zu befähigen, seine bestehenden Aufgaben im Unternehmen besser zu meistern oder sich auf eine neue, anspruchsvollere Aufgabe vorzubereiten. Diese Befähigung findet auf zwei Ebenen statt, nämlich bei der Anwendung von Wissen aus den Bereichen Führung & Motivation, Psychologie und Mangement-Tools im konkreten Arbeitsumfeld des Coachee und bei der Entwicklung von günstigerem Verhalten im Hinblick auf die Erreichung von Zielen.

Coaching basiert auf einem Vertrauensverhältnis zwischen Coachee und Coach. Ohne Einwilligung des Coachees gehen keine Informationen an das auftraggebende Unternehmen.

Coaching ist dann wirksam, wenn das Umfeld günstige Veränderungen im Hinblick auf die Zielerreichung beim Coachee wahrnimmt.

Ablauf eines Coaching-Mandats

  1. Vorgespräch mit der Auftraggeberfirma und dem Coachee
  2. Entscheid des Coachees und der Auftraggeberfirma für ein Mandat
  3. Coachingziele und Milestones festlegen zwischen den drei Parteien
  4. Coaching durchführen
  5. Milestones und Zielerreichungsgespräche, je nach Ergebnis geht man auf Punkt 3 oder 4 zurück mit Anpassung der Coachingziele, Verlängerung oder Abschliessen des Coachings
  6. Abschluss des Coachings


Beim Coaching gehen wir von den individuellen Bedürfnissen des Coachees aus

Coaching geht von den Bedürfnissen des Coachees aus

Coaching geht von den Bedürfnissen des Coachees aus

 

Individuelle Bedürfnisse bedeutet, dass man zunächst den Kontext beachten muss. Einerseits ist der Unternehmenskontext zu beachten, also die aktuelle Arbeits- und Führungssituation sowie deren Herausforderungen und andererseits den Privatkontext. Fallweise kann weiteres dazukommen.

Zusammen mit der Persönlichkeit des Coachees ergibt sich die aktuelle Situation. Die Coachingziele werden zwischen dem Auftraggeber, dem Coachee und dem Coach vereinbart. Darauf basierend können der Entwicklungsbedarf und der Entwicklungsplan (sachlich und zeitlich) festgelegt werden.

In einem ersten Schritt erarbeitet der Coachee eine persönliche Vision, welche den Arbeits- und den Privatbereich umfasst. Daraus ergibt sich, was auf persönlicher Ebene und was in direktem Zusammenhang mit den Bedürfnissen des Arbeitgebers entwickelt werden muss. Der Entfaltung des persönlichen Potentials kommt in der Regel Priorität zu.


Was bringt der Coach ein?

Zum einen bringt der Coach seine Erfahrung und seine Menschenkenntnisse ein und steuert den Coachingprozess. Intuition hilft, spontane Interventionen zum richtigen Zeitpunkt einzubringen. Daneben verfügt der Coach über eine ganze Reihe von Tools, welche bereitliegen und situativ eingesetzt werden können. Diese Tools umfassen Elemente der Persönlichkeitsentwicklung und Instrumente für effektiveres und effizienteres Management.


Häufigkeit und Dauer von Coachingsitzungen

Aus jeder Sitzung nimmt der Coachee zu erledigende Aufgaben mit. Die Anwendung von Tools und Methoden in der Praxis – das braucht Zeit. Viele Coachees verbringen heute viel Zeit im Auto. Dort können sie problemlos CDs zu besprochenen Themen hören, was sie vom Lesen am Abend und am Wochenende entlastet.

Für das „Hineinkommen“ in den Coachingprozess macht es Sinn, die ersten zwei bis drei Sitzungen innert Monatsfrist abzuhalten und anschliessend auf einen Rhythmus von ca. zwei Monaten zu wechseln. Dies unter der Voraussetzung, dass die Persönlichkeitsentwicklung ein wichtiger Teil des Coachings ist. Eine Sitzung dauert erfahrungsgemäss zwei bis drei Stunden. Unter diesen Prämissen kommt man innert eines Jahres auf sechs bis sieben Coachingsitzungen. Dies ist aus meiner Erfahrung ein sinnvolles Coachingpensum, das den Coachee weiterbringt und vertretbare Kosten verursacht.


Coachinganlässe

Es kommen die folgenden Anlässe für ein Coaching in Frage:

  • Das Unternehmen und der Coachee kommen zum Schluss, dass ein Aussenstehender Impulse für die Entwicklung des Coachees geben kann, damit dieser anspruchsvolle(re) Ziele erreicht.
  • Der Coachee ist für neue, für ihn herausfordernde Führungsaufgaben vorgesehen. Wiederum kommen Unternehmen und Coachee zum Schluss, dass ein Aussenstehender Impulse geben kann, damit der Coachee seine neue Aufgaben dereinst gut meistert. In diesem Setting macht es Sinn, das Coaching einige Monate vor der Übernahme der neuen Position beginnen zu lassen und nach der Übernahem noch einige Monate weiterlaufen zu lassen (die berühmten ersten 100 Tage).
  • Schwierigkeiten im Führungsbereich des Coachees.

 

Eine ethische Unternehmung stiftet Sinn für die Mitarbeitenden

von Urs Mantel

Zunächst wollen wir eine ethische Unternehmung umschreiben, um im Folgenden auf das Thema Sinn aus Sicht der Mitarbeitenden einzugehen.

Was ist eine ethische Unternehmung?

Man kann eine ethische Unternehmung in acht Punkten umschreiben.

  1. Die Erfüllung einer sinnvollen Aufgabe im Markt, getrieben von gesunden Werten. Von einer sinnvollen Aufgabe sprechen wir dann, wenn die Leistungen einen gesellschaftlichen Nutzen erbringen. Die Befriedigung von irgendeiner Nachfrage reicht nicht aus.
  2. Im Zentrum des Denken und Handelns steht die professionelle Erfüllung des Unternehmensauftrages mit dem Ziel, langfristig eine Rechtfertigung im Markt zu haben. Im Fokus stehen deshalb die Schaffung von Kundennutzung sowie der Erhalt und die Entwicklung der Wettbewerbsfähigkeit.
  3. Es wird eine langfristig nachhaltige Entwicklung auf der Basis des Stakeholderansatzes verfolgt.
  4. Das Unternehmen ist attraktiv für Marktpartner. Die Partnerschaften stiften für beide Parteien angemessenen Nutzen.
  5. Das Unternehmen ist attraktiv für die zu ihm passenden Mitarbeitenden. Diese schätzen den Sinn, welcher sich aus der Unternehmensaufgabe ergibt. Die grundlegenden Werte von Mitarbeitenden und Unternehmen stimmen überein.
  6. Die Unternehmung wird mit einer modernen Corporate Governance geführt.
  7. Vernünftige Gewinne sind das Ergebnis von gutem Unternehmertum. Die Selbstfinanzierung von Entwicklungen und die Attraktivität für die Kapitalgeber ist gegeben.
  8. Auf der Basis der sechs oben aufgeführten Punkte leistet das Unternehmen einen wichtigen, gesellschaftlichen Beitrag und kann es sich leisten, auch soziale Projekte zu fördern.

„Die neue Währung heisst Sinn“ sagt Professor Theo Wehner von der ETH Zürich. Wir wollen uns nun dieser Frage zuwenden.

Die Sinnfrage den Mitarbeitenden
Was heisst nun Sinn?

Sinn könnte heissen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen nach den eigenen Wertvorstellungen und Intensionen um daraus sein     persönliches Potenzial zu entfalten und persönlich zu wachsen.

Soll eine Organisation gemäss obiger Definition zur Sinnstiftung beitragen, so muss sie im Rahmen der Erfüllung ihrer Aufgabe den zu ihr passenden Mitarbeitenden eine Plattform bieten für die Entfaltung des persönlichen Potenzials. Dazu müssen einige Parameter erfüllt sein:

  1. Die Werte des Unternehmens müssen im Einklang sein mit denjenigen des Mitarbeitenden.
  2. Die Biografie (d.h. die Herkunft und bisherige berufliche und nichtberufliche Entwicklung) des Mitarbeitenden muss einen Bezug zum Unternehmen haben.
  3. Das persönliche Entfaltungspotenzial muss im Einklang sein mit den Möglichkeiten, die das Unternehmen (respektive der Vorgesetzte) in der spezifischen Stelle anbieten kann.

Mit diesen drei Punkten ist der Rahmen gesetzt für persönliches Wachstum. Immer, wenn Menschen persönlich wachsen können, sind sie motiviert! Eine der Hauptaufgaben von Führung ist die Schaffung von Rahmenbedingungen, damit Mitarbeitende im Rahmen ihres individuellen Entfaltungspotentials persönlich wachsen können. Das ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe und relativ weit weg von üblichen Motivationsprogrammen.

Wie entsteht daraus der kollektive Schub in der Unternehmung?

Damit die Gemeinschaft, das Unternehmen von dieser individuellen Sinnstiftung profitieren kann, müssen Mitarbeitende bereit sein, sich im Rahmen ihrer Sinnerfüllung in den Dienst des grösseren Ganzen, der Unternehmensaufgabe oder Teilaufgaben davon stellen. Mit anderen Worten müssen Mitarbeitende die Verwirklichung Ihrer Intensionen und Werte durch einen Beitrag den sie im Unternehmen leisten, verwirklichen können.

Zusammenfassung

Aus dem Gesagten wird nun schnell klar, dass einer mit einer guten Compliancepolicy geführte Unternehmung noch kein ethisches Unternehmen schafft. Es wird das Risiko reduziert unethisch zu handeln. Für ein ethisches Unternehmen wird mehr gefordert u.a. hohe Standards, was die Sinn- und Motivationsfrage der Mitarbeitenden betrifft. Damit dies gelingt müssen alle Stakeholder ethischen Anforderungen genügen.

 

Der unternehmerische Impuls und seine Erneuerung

von Urs Mantel

Einleitung

In der Praxis begegnet man immer wieder der Aussage, dieses oder jenes Unternehmen müsse seinen Impuls erneuern, ohne dass gesagt wird, was man unter Impuls denn wirklich versteht. Dieser Frage wollen wir nun nachgehen.

Impuls in der Newtonschen Physik

Der Impuls in der Newtonschen Physik ist eine Richtungsgrösse, denn eine Masse wird mit einer konstanten Geschwindigkeit in eine bestimmte Richtung bewegt. Durch Reibung nimmt die Geschwindigkeit der bewegten Masse mit der Zeit ab und irgendwann muss die Masse wieder mit Kraftaufwand, welcher eine gewisse Zeit aufrecht erhalten werden muss, auf eine vernünftige Geschwindigkeit zurückbeschleunigt werden. Unter Umständen bewirkt die Kraft auch eine Korrektur in der Richtung der Bewegung.

Der Impuls ist damit erneuert. Diese Erkenntnisse kann man auch auf Unternehmen übertragen.

Impuls und Impulserneuerung bei Unternehmen

Auch eine Unternehmensentwicklung kann mit diesen Begriffen beschrieben werden. In der Gründungsphase wendet ein Pionier über lange Zeit Kraft auf und das Unternehmen wächst und entwickelt sich. In physikalischen Begriffen nimmt der Impuls zu, indem Masse gebildet wird und die Entwicklung sich beschleunigt. Irgendwann stagniert die Entwicklung (der Impuls bleibt konstant), und wenn nicht wieder Kraft und Zeit in den Impulszuwachs investiert werden, wird es einen Niedergang geben. Es stellen sich somit die folgenden Fragen:Wer ist der Impulsgeber, wer gibt den Impuls?

  • Worin besteht der Impuls, und was macht ihn aus?
  • Wie kommt man zu einer Impulserneuerung?

Nehmen wir ein KMU Pionierunternehmen. Impulsgeber ist der Pionier. Der Impuls besteht aus einem angebotenen Leistungsspektrum oder aus Ideen von möglichen weiteren Leistungen sowie Werten. Einfacher ausgedrückt: Der Impuls entsteht aus der Vision des Pioniers.

Im Rahmen von Nachfolgeregelungen müssen die Nachfolger die Rolle der Impulsgeber übernehmen können. Das Gleiche gilt für den Impuls selber. In der Regel steht auch eine Impulserneuerung an, der Impuls muss weiterentwickelt werden durch:

  • Entwicklung, Vertiefung und Erneuerung von Werten und Verhalten
  • Anpassung der Mission
  • Aufbruch zu neuen Ufern: Neufassung der Vision

Wenn die Nachfolger solche Prozesse gehen, dann entwickeln Sie sich zu den neuen Impulsgebern.

Wie sieht das nun bei einem von Managern geführten KMU aus?

  • Durch die Eigentümerstrategie der Aktionäre ist die Mission im Wesentlichen definiert. Das kann auch für die zu lebenden Werte zutreffen.
  • Impulsgeber ist aber in hohem Masse der CEO und evtl. einzelne Verwaltungsräte.
  • Der Impuls selber wird durch die verfolgte Vision und die dazugehörenden Strategien umschrieben, für welche Verwaltungsrat und Geschäftsleitung zuständig sind.

 

Impuls und Impulsgeber müssen nicht nur bei Nachfolgeregelungen identifiziert werden, sondern generell bei der Akquisition von Unternehmungen.